Familiäre Werte

FREITAGSPREDIGT

Verehrte Muslime!

In der heutigen Hutba geht es um familiäre Werte. Als Familie bezeichnen wir Menschen, die biologisch verwandt. Muslimische Gelehrte formulierten bereits sehr früh die Rechte und Pflichten von Familienmitgliedern, die sie aus Koran und Sunna ableiteten. Diese Rechte und Pflichten fassen wir im Begriff „Verwandtschaftsrechte“ zusammen.

Einem intakten und herzlichen Familienleben kommt im Islam große Bedeutung zu. Dazu gehört es, in engem Austausch zu stehen, sich materiell zu unterstützen und gegenseitig zu besuchen. Diese Beziehung zwischen Verwandten wird „Sila-i rahim“ genannt.

Liebe Geschwister!

Allah sagt im Koran: „Und seid euch Allahs bewusst, in dessen Namen ihr einander bittet und haltet eure Verwandtschaftsbindungen aufrecht.“[1] Damit wir verstehen, wie wichtig Allah die Familienbeziehungen sind, sagt unser Prophet (s) in einem Hadith: „Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, soll seinen Gast bewirten und wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, soll seine Familienbeziehungen aufrechterhalten.“[2] Es gibt noch viel mehr Koranverse und Hadithe, die uns verdeutlichen, welchen Wert Sila-i Rahim hat. Deshalb ist es gemäß vieler muslimischer Gelehrter nicht gestattet, familiäre Beziehungen gänzlich zu beenden.

Verehrte Muslime!

Unser Prophet (s) lehrte uns, dass es unserem Vermögen Segen bringt und die Lebenszeit verlängert, wenn wir unsere familiären Beziehungen gut pflegen.[3] Das Gegenteil zu tun und die familiären Beziehungen zu beenden, kann dazu führen, aus dem Paradies ausgeschlossen zu werden.[4] Was es bedeutet, die familiäre Beziehung aufrechtzuerhalten, beschreibt unser Prophet (s) so: „Die familiäre Beziehung aufrechtzuerhalten bedeutet, sich auch dann um Kontakt zur Familie zu bemühen, wenn andere den Kontakt abgebrochen haben.[5]

Enge und gesunde Beziehungen zu den Verwandten zu pflegen und ihnen Gutes zu tun, ist nicht nur eine Verpflichtung speziell für uns als Umma, es ist ein universaler Wert, der auch in den Gesellschaften vor uns wichtig war. Im Koran heißt es: „Und wir nahmen von den Kindern Israels ein Versprechen entgegen und sprachen: ‚Dient keinem außer Allah; tut Eltern und Verwandten und Waisen und Armen Gutes; sprecht mit den Leuten auf freundliche Weise; verrichtet das Gebet und entrichtet die Zakat.‘“[6]

Liebe Geschwister!

Die Verwandten sind dafür verantwortlich, sich an ihre gemeinsamen Werte und Pflichten Allah gegenüber zu erinnern. Die Propheten sind das beste Beispiel dafür. Sie begannen ihre Aufgabe der Vermittlung bei ihren Verwandten und haben sie zuerst eingeladen, gute Nachrichten überbracht und auf Gefahren hingewiesen. Die Verwandten haben Rechte. Als Muslime ist es uns wichtig, uns in angemessener Weise um unsere Verwandten zu kümmern. Ein weiterer wichtiger Grundsatz in Bezug auf unsere verwandtschaftlichen Beziehungen ist das Prinzip der Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit, der Begegnung und dem Einsatz im Guten. Ein Muslim darf seine Verwandten nicht bevorteilen und dadurch die Rechte anderer verletzen. Mit anderen Worten: Er darf die Rechte der Verwandtschaft nicht über die Rechte anderer Geschöpfe stellen. Beenden wir unsere Hutba mit einem Koranvers, in dem Allah uns einen Maßstab gibt für unsere Beziehungen zu Verwandten und zur gesamten Schöpfung.

„O ihr Gläubigen! Tretet für die Gerechtigkeit ein, wenn ihr vor Gott Zeugnis ablegt, und sei es gegen euch selbst oder eure Eltern und Verwandten. Ganz gleich, ob es sich um Arme oder Reiche handelt, Allah steht euch näher als beide. Und überlasst euch nicht dem Affekt, damit ihr nicht vom Recht abweicht. Wenn ihr das Recht verdreht oder euch von ihm abkehrt, so seht: Allah weiß, was ihr tut.“[7]

Möge Allah uns nicht vom Wahren und Gerechten abirren lassen und möge er uns durch unsere Verwandten Segen geben und uns in sein Paradies aufnehmen.

[1] Sure Nisâ, 4:1

[2] Buhârî, Adab, 31, 85

[3] Buhârî, Adab, 12; Muslim, Birr, 20

[4] Buhârî, Adab, 11; Muslim, Birr, 19

[5] Buhârî, Adab, 15

[6] Sure Bakara, 2:83

[7] Sure Nisâ, 4:135

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